Bödefeld


Das gebirgige Sauerland war in der frühgeschichtlichen Zeit dünn besiedelt. Erst seit dem 7. Jahrhundert erfolgte eine verstärkte Aufsiedlung. Eine sichere ethnische Zuordnung kann für diese Zeit nicht gemacht werden. Vermutlich lebten hier keine Sachsen, sondern eine Bevölkerung, die nie zum fränkischen Reich gehörte, jodoch starken Anteil an deren Kultur nahm.

Um die Besiedlung des Bödefelder Raumes in vorgeschichtlicher Zeit ist nichts bekannt. Vorgeschichtliche Funde fehlen hier. Dieses Gebiet scheint erst spät besiedelt worden zu sein, da es abseits von uralten Wanderwegen liegt.

Um die Entstehung des Namens „Bödefeld“ rangt sich folgende Legende : Der hl. Bischof Ludger, der im Jahre 809 verstorbene Sachsenmissionar, soll hier auf einer seiner Reisen einen Mann namens „Buddo oder Bodo“, der als vermeintlicher Pferdedieb von Sachsenkriegern zu Tode gesteinigt worden war, wieder zum Leben erweckt haben. Erfreute Anwohner sollen an der Stelle des Wunders
ein Kreuz errichtet haben, jenem zum Leben erweckten Buddo (Bodo) zum Gedächtnis und die Siedlung „Buddovelden“ genannt. Ob diese Legende auf Bödefeld anzuwenden ist, lässt sich nicht beweisen.

Die erste urkundlich belegte Nachricht stammt aus dem Jahre 1072. Erzbischof Anno von Köln gründete in diesem Jahr das Kloster Grafschaft und schenkte ihm 12 „Kirchen und Orte“, darunter auch einen kleinen Ort „Buodevelden“. Demnach muß im Jahre 1072 schon in Bödefeld eine Kirche mit Grundbesitz gestanden haben. Da eine Besiedlung in jener Zeit sehr langsam vor sich ging, kann man annehmen, dass Bödefeld schon ein bis zwei Jahrhunderte besiedelt war und somit über 1000 Jahre alt sein dürfte.

Im Jahre 1342 gab der damalige Landesherr, Graf Gottfried IV. von Arnsberg, dem Dorf die Rechte einer Freiheit. Das bedeutet nicht, wie fälschlich angenommen wird, eine Befreiung von Steuern oder anderen Abgaben, im Gegenteil - die Abgaben wurden eher zu einer großen Belastung. Als Freiheiten bezeichnete man vielmehr Orte, die eine städtischen Selbstverwaltung hatten. Die Bürger wählten ihren Bürgermeister
samt Rat, die das Dorf selbständig verwalteten und keiner höheren Behörde Rechenschaft schuldig waren. Der Gemeinderat hatte Polizeigewalt in gewöhnlichen Angelegenheiten und sogar auch die niedere Gerichtsbarkeit. Der Bürgermeister hatte im Landtag einen Sitz und gleichberechtigtes Stimmrecht wie die Vertreter der Städte und des Adels. So erhielt Bödefeld die „Freiheit“.

Der lateinische Text wird nachfolgend in deutscher Übersetzung wiedergegeben:
„Wir Graf Gottfried von Arnsberg geben allen folgendes kund : In freiem Willensentschluß und nach
reiflicher Beratung mit unseren Freunden, Erben und Miterben haben wir gegeben und geben unserem
Dorf (villa), welches Bödefeld heißt, die Freiheit. Allen Bewohnern dieses Dorfes und dem Dorfe
selbst geben wir die Rechte und Freiheiten, welche unsere Stadt und Stadtbewohner zu Arnsberg haben
und von alters her gehabt haben. Und zwar in der Weise, dass die einzelnen Bewohner des genannten
Dorfes uns und unseren Erben jährlich am Feste des hl.Martinus zur Winterszeit zahlen sechs Denare
und zwei Hühner von jeder Hausstätte, die im genannten Dorfe Bödefeld liegt, ferner den Zehnten von
den dortigen Feldern. Die erwähnten Bewohner jenes Dorfes können und sollen nutzen unseren Wald,
der „Hogewald" heißt, so wie unsere anderen Stadtbewohnern die ihnen benachbarten und zugehörigen
Wälder nutzen. Zur Bezeugung und Bekräftigung dieser Sache haben wir dieser Urkunde unser Großes
Siegel aufgedrückt.
Gegeben im Jahre eintausenddreihundertzweiundvierzig am Tage Petri Stuhlfeier.".


Außerordentlich bedeutsam war die Erhebung Bödefelds zur „Freiheit“ für die persönliche Freiheit der Bürger, denn jene Zeit kannte für sehr viele Landbewohner eine Hörigkeit (Leibeigenschaft) verschiedenen Grades. Sie förderte darüber hinaus den Handel. Bödefeld war lange Zeit hindurch Mitglied der Hanse unter dem Vorort Arnsberg. Um diese Zeit lebten in Bödefeld nach den Schatzlisten (Steuerlisten) 45 Bürger mit Familien.

Interessant für die Geschichte Bödefelds ist die Gründung des adeligen Hauses, zu dem ein größeres Gut gehörte. Am 4. Juli 1410 vereinbarte der Erzbischof von Köln, der gleichzeitig Kurfürst und Landesherr war, mit dem Ritter Hunold von Hanxleden, dass dieser in „Kerkbodenfelde“ (Kirchbödefeld) ein „festes Haus bauen und dieses von der Kölner Kirche zu Lehen nehmen“ sollte. Die Burg wurde in den Jahren 1425 bis 1428
errichtet. Es war ein Gebäude mit Turm und quadratischen Grundriß, an jeder Seite etwa 30 Fuß lang. Umgeben war das Haus von einem schmalen Wassergraben; es hatte eine Reihe von Nebengebäuden. Es stand auf dem freien Platz neben der Strickerei Gierse (heute Dorfpark) und in der weiteren Umgebung. Die zerfallenen Rest der Burg sind im Jahre 1801 von der Freiheit Bödefeld angekauft und später abgebrochen
worden. Um 1300 wird in Bödefeld eine Curie (Haupthof) erwähnt, die Arnsberger Lehen war und als solches später dem Ritter Hurlind von Helden und 1313 dem Dietrich von Helden übertragen wurde. Mit dieser Curie war das Patronatsrecht über die Pfarrkirche verbunden. Im Jahre 1320 übertrug Dietrich von Helden diese Pfarrei, welche durch den Tod des Pfarrers Johannes verwaist war, seinem Bruder Herbert. Dieses Gut
muss alsbald wieder an die Grafen von Arnsberg zurückgefallen sein, denn es wird im Landesregister nicht mehr erwähnt. Beim Verkauf der Grafschaft Arnsberg an den Kölner Erzbischof im Jahre 1368 gehörte die Pfarrkirche als Patronatskirche dem Grafen von Arnsberg.

Urkundlich ist festgestellt, dass im Jahre 1072 in Bödefeld eine Kirche mit Grundbesitz war. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es jene Kirche, welche Pfarrer Montanus im Jahr 1722 abbrechen ließ und durch eine neue ersetzen ließ (mit Ausnahme des Turmes, der erst 1750 erbaut wurde). Über Stil und Größe der uralten Kirche weiß man nichts mehr. Am 16. Juni 1722 begann der Abbruch dieser alten Kirche,
Grundsteinlegung war am 27.Juni 1722. Im Jahre 1723 wurde das Mauerwerk vollendet, im Jahre 1724 Deckung mit Schiefer, am 15.Juni 1724 einfache Einweihung. Am 9.Oktober des gleichen Jahres wurde der noch heute vorhandene Hochaltar aufgestellt, angefertigt durch Bildhauer Petrus Sasse aus Attendorn für 180 Taler. Die Bemalung führte Johann Heinrich Becker aus Fredeburg aus für 200 Taler und Beköstigung. 1725 wurde die neue Orgel mit 9 Registern installiert. 1737 bis 1738 wurde an die Nordostecke der Kirche eine Sakristei angebaut. Am 26.Februar 1743 wurde Vikar Selmann Pfarrer von Bödefeld. Dieser beschaffte 1748 zunächst neue Glocken, die allerdings schon im Jahre 1751 umgegossen wurden (in Bödefeld in der „Glockenkuhle“). 1751 erhielt die Kirche die beiden Seitenaltäre, ferner die Figuren St. Vitus und St. Nepomuk, 1752 eine Turmuhr. Im gleichen Jahr wurde die Orgel vergrößert. Der am 14.Dezember 1886 eingeführte neue Pastor Tewes, Nachfolger von Pastor Deimel, begann mit Geldsammlungen für einen Kirchenneubau. Aber erst unter Pfarrer Carl Schulte am 24. Januar 1910 genehmigte Kirchenvorstand und Bauaufsichtsbehörde den Bauplan des Prof. Buchkremer aus Aachen. Am 5.April 1910 begann man mit dem Abriss der alten (1722 erbauten) Kirche. Der Gottesdienst während der Bauzeit war in den Saal der Gastwirtschaft Schmidt (später Meschede-Deerberg) verlegt. Am 18. September 1911 fand die Einweihung der neuen Kirche durch Bischof Karl-Josef Schulte statt.

Die Kapelle auf dem 705 m hohen Kreuzberg war in früheren Jahren ein weit und breit bekannter Wallfahrtsort. Besonders während der Fastenzeit zogen Scharen von Pilger den Berg hinauf. Erbaut wurde die Kapelle auf Initiative des Pfarrers Johann Heinrich Montanus. Dieser Priester wirkte in der Gemeinde Bödefeld von 1721 bis 1743. Er stammte von dem benachbarten Hofe Krauseholz, dessen Fluren an die Gemarkung Bödefeld grenzen. Dieser Pfarrer soll seine Pfarrkinder zum Bau dieser Andachtsstätte angehalten haben. Die Bödefelder aber waren nicht zur Mithilfe zu bewegen (so eine Erzählung des Sauerländer Dichters Friedrich-Wilhelm Grimme aus Assinghausen). Da lud der Pfarrer Montanus an einem heißen Junitage einen schweren Stein auf seine Schulter und trug ihn keuchend und schwitzend den Berg hinauf. Stein auf Stein brachte er so auf die Baustelle auf die Spitze des Berges. Zunächst hätte man die Köpfe geschüttelt über den „wunderlichen Pastor“. Doch aus dem Kopfschütteln wurde Scham; ein Bauer nach dem andern half mit seinem Gefährt die notwendigen Steine und sonstiges Baumaterial auf den Berg zu fahren, so dass im Jahre 1729 die Einweihung der Kreuzbergkapelle durch den Abt Josias aus Grafschaft erfolgen konnte. Im Jahre 1730 errichtete man 7 Bildstöcke, die 1856 durch die 14 Stationen des Kreuzweges ersetzt wurden.

Im Jahre 1929 - anlässlich des 200-jährigen Kreuzbergjubiläums - wurden die Gebeine des Pfarrers Montanus im Chor der Kapelle beigesetzt. Der Kreuzweg in Bödefeld war für das Sauerland und weitere Umgebung immer ein Anziehungspunkt. Von weither kamen die Wallfahrer zu Fuß, ließen sich früher in den Gasthöfen Kaffee ausschütten, bekamen dazu Zucker und Milch. Um 1900 wurden dafür pro Person 10 Pfennig bezahlt. Später kamen die Wallfahrer mit Pferd und Wagen, heute mit Omnibussen.

Geschichtliche Ereignisse, die sich auf Bödefeld auswirkten. 1483 Martin Luther geboren; 1517 Reformation in Deutschland. 1618 Beginn des 30jährigen Krieges. 1648 Ende des Krieges (Westfälischer Friede zu Münster). Die Bevölkerung in Deutschland verminderte sich von 17 auf 8 Millionen (Hungersnot, Seuchen). Auch im Sauerland wurden zahlreiche Höfe „wüst“, d.h. die gesamten Bewohner der Höfe wurden durch den Krieg vertrieben, starben durch Seuchen oder suchten in größeren Siedlungen oder Städten Schutz, wie auch Eintragungen in den hiesigen
Kirchbüchem beweisen.

Große Not brachte im Verlauf der verflossenen Jahrhunderte vor allem der 30jährige oder siebenjährige Krieg später. Zwangsablieferungen, Durchmärsche der Kriegstruppen verschiedener Nationalität, Armut, Hunger, Pest waren die verheerenden Folgen; ganze Familien starben aus. Im Jahre 1672 mussten sich die Bödefelder 200 Taler leihen, um das Dorf vor dem Abbrennen durch fremde Truppen zu bewahren. Erwähnt seien noch, um das Bild der Vergangenheit Bödefelds abzurunden, die kriegerischen Wirren durch den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714), die Kriege unter Friedrich dem Großen (1740-1745) und der Siebenjährige Krieg (1756-1763). Im Jahre 1745 lagen im Kirchspiel Bödefeld
Münsterische, Osnabrücker und Paderbomer Truppen, die hier plünderten, brandschatzten, mordeten und Zwangsrekrutierungen
durchführten.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Napoleonischen Kriege, die mit dem Befreiungskrieg gegen Napoleon im Jahre 1813 bezw. 1815 endeten und auch Opfer unter Soldaten des Kirchspiels forderten. Durch die Politik Napoleons wurde das Kurfürstentum Köln, dem das Sauerland zur damaligen Zeit angehörte, zerschlagen. Es kam im Jahre 1802 an den Großherzog von Hessen, einen Bruder Napoleons, der den Städten und den Freiheiten, so auch Bödefeld ihre Selbständigkeit nahm und sie zu autoritär verwalteten Landgemeinden machte.

Im Jahre 1815 kam Westfalen und somit das Sauerland zum Königreich Preußen. Auch die Märzrevolution von 1848, die das Ziel der Einführung einer demokratischen Verfassung hatte, ging an Bödefeld nicht spurlos vorbei. Laut Überlieferung wurde in Bödefeld sogar eine mit Lanzen bewaffnete „Bürgerwehr“ aufgestellt, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollte. Im Krieg gegen Dänemark (1864-1866), in dem auch der Bödefelder Jagdpächter -Erherzog Stefan von Österreich- sein Leben lassen musste, gab es keine Kriegsopfer unter den Bödefelder eingezogenen Rekruten, jedoch im Krieg gegen Frankreich 1871/72 sowie im Weltkrieg 1914-1918 kehrten viele Soldaten aus Bödefeld-Freiheit und - Land nicht zurück. Der 2. Weltkrieg 1939-1945 brachte nicht nur viele Kriegsopfer unter den eingezogenen Soldaten sondern das 1936
gekürte „Musterdorf ‘ sowie das gesamte Kirchspiel erfuhr im April 1945 den Krieg in seiner ganzen Brutalität am eigenen Leibe. Zivilopfer und die Vernichtung vieler Wohnhäuser und Scheunen, sowie eine Menge Vieh war das Tribut, welches Freiheit und -Land zahlen musste. Die Blutopfer, die das Kirchspiel in den beiden Weltkriegen brachte, sind auf den Ehrentafeln in der Pfarrkirche verzeichnet.

Durchweg hatten früher die Dörfer des Sauerlandes - und da macht auch Bödefeld keine Ausnahme- niedrige Häuser mit tief herabgezogenen Strohdächern und kleinen Fenstern, sowie einem Tor an der Vorderfront als Einfahrt zur Tenne. Auf der Tenne stand der gemauerte Herd mit dem offenem Feuer und mit dem am eisernen „Hängepohl“ befestigten, schwarz geräucherten Kochtopf. Der Rauch zog ab durch die Bodenluke oder durch den oberen Teil des Tennentores, Gebälk und Wände schwarz färbend. Das Fachwerk der Außen- und Innenwände war mit Lehm ausgefüllt, der von Zeit zur Zeit gekälkt wurde. Auf der Tenne wurde im Herbst mit Flegeln gedroschen. Die Nebengebäude der Bauernhöfe, nämlich Speicher, Schuppen, Backhaus waren keine Prunkgebäude, sie waren auf die einfachste Art gebaut.

In der Mitte des Ortes stand die Kirche, vor ihr die Schule, daneben das uralte Rathaus, das 1870 abgebrochen wurde. In Bödefeld hat es wohl vor 1700 keine geregelte Schule gegeben. Pfarrer Montanus bemühte sich, dass 1731 ein Schul- und Küsterhaus gebaut wurde, welches im Jahre 1894 abgerissen wurde. 1818 setzte Pfarrer Schümer durch, dass die nun zweitklassige Schule bezogen wurde (später Kindergarten, 2002 abgerissen). Am 13.Oktober 1925 beschloß die Gemeinde, die infolge Neubaues der Volksschule freigewordene „Alte Schule“ in ihrer südlichen Hälfte für eine „Kleinkinderschule“ zur Verfügung zu stellen.

Im Gemeindearchiv sind keine Angaben über die Zeit der Erbauung des Rathauses zu finden, auch nicht über ihr Aussehen. Später hat ein Bödefelder Uhrmacher nach Angaben älterer Bewohner eine Skizze über das alte Rathaus gezeichnet. Danach war es ein schmales, zweistöckiges Fachwerkgebäude mit schöner Anordnung des Gebälks. Unter dem Haus war ein Keller mit eigenem Eingang, wohl das „Kittchen“ (Arrestraum). Mit der südlichen Schmalseite ging das alte Rathaus bis dicht an das vor der Kirche stehende (1731) erbaute Küstergebäude, dann kam der zur Küsterei gehörende Garten und dann die Brücke zur Straße hin, mündend vor Clasmes „Schmitte“ (Schmittkes Haus). Bald nach Abbruch des Rathauses, vor Aufteilung des Raumes, hatte der Kaufmann Mathias Schmidt (Selmanns) auf dem Platz ein Haus gebaut für seine Schneiderei, im Volksmund genannt „Seimes nigges Dingen“. Dies Gebäude, im 1.Weltkrieg noch benutzt als Unterkunft für russische und französische Kriegsgefangene, ist 1917 abgebrochen worden und mit dem Holz die beiden Gemeindehäuser in der heutigen Hunaustraße erbaut. Das alte Rathaus hatte nach Aufhebung der Freiheitsrechte seine Bedeutung verloren.