Legenden und Geheimnisse um die „schwarze Hand“


Um die „schwarze Hand" ranken sich viele Legenden. Doch was hat es sich wirklich damit auf sich. 

Die Rechtswissenschaft bringt sie mit einer mittelalterlichen Rechtssitte in Zusammenhang: Der Klage mit der toten Hand.


1722 fand man beim Neubau der Pfarrkirche in Bödefeld in einem Sarg eine wohlerhaltene Hand. 


Die Überlieferung sagt, dass beim Abriss der alten Kirche ein Gefäß mit einer abgeschnittenen Hand gefunden wurde. Diese Hand war durch ein sehr scharfes Instrument vom rechten Arm getrennt worden. 


Um diese Hand gibt es mehrere Legenden. 


Eine sagt, dass ein junges Mädchen im Zorn seine Mutter geschlagen habe und bald darauf verstorben sei. 

Nach der Beerdigung auf dem Friedhof an der Bödefelder Kirche habe der Pfarrer am anderen Tage gesehen, dass eine Hand aus dem frischen Grab herausgeschaut habe. Er erkannte, es sei eine Warnung Gottes, sich nicht an den Eltern zu vergreifen. 

Er schnitt diese Hand ab und bewahrte sie in der Kirche auf.


Hinweise auf germanisches Recht


Andere Legenden weisen bereits zur rechtlichen Bedeutung der schwarzen Hand von Bödefeld auf. So geht eine auf die Zeit des germanischen Strafrechts zurück. Danach sollte Kindern, die ihre Eltern geschlagen hatten, die rechte Hand abgeschlagen werden. 

Nach der Legende hatte darüber ein westfälisches Femgericht zu entscheiden. 


Bei einer weiteren Version, die von dem Geschichtsschreiber Johann Suitbert Seibertz stammt, findet sich folgende, an Rechtsgebräuche angelehnte Begründung. Eine mittelalterliche Prozessordnung sah vor, dass wenn bei einem Mord den Täter nicht eindeutig 

ermitteln konnte, ein Gottesurteil zu entscheiden habe. Man führte den mutmaßlichen Täter an der Leiche vorbei und machte die sogenannte Bahrprobe. Fingen seine Wunden, durch die der Tod verursacht worden war, dabei wieder an zu bluten, war der Mörder ermittelt 

und überführt.


Hatte man den Leichnam aber schon beerdigt, grub man ihn wieder aus und trennte die rechte Hand ab. An Ihr führte man den Verdächtigen vorbei. Wenn sie nicht blutete, war er unschuldig.


Ein derartiges Bahrgericht hätte nach Seibertz bei der schwarzen Hand von Bödefeld der Fall sein können. Nach seiner Meinung war es angewandt worden, hatte jedoch nicht zur Feststellung des Taters geführt. 


Konserviert und für den Prozess aufbewahrt


Oftmals erscheinen diese Legenden fraglich. Sie können auch keine Erklärung über den mumifizierten Zustand der Hand geben. Die Rechtswissenschaft bringt die Hand von Bödefeld in Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Rechtsbrauch: Der Klage mit der toten Hand.


Im Mittelalter verlangte die Totschlagsklage, dass die Anklage in Gegenwart des Getöteten erhoben wurde. Sie war jedoch für die Hinterbliebenen oftmals grausam , da der Tote nicht beerdigt werden konnte, solange die Klage nicht erledigt oder wenigstens erhoben war. 

Die Leiche musste dann entweder einbalsamiert werden oder, wenn sich die Hinterbliebenen die Konservierung nicht leisten konnten, mit Kalk oder auf andere Weise haltbar gemacht werden.


Um diesen ethischen Problemen aus dem Wege zu gehen, erleichterte man im späteren Mittelalter die Totschlagsklage dadurch, dass als rechtlicher Ersatz des Leichnams die rechte Hand des Erschlagenen vor Gericht verwendet werden konnte.


Die Tat wurde scheinbar gemacht


Der Leichnam oder die Hand diente als Beweis der Missetat , und zwar im ursprünglichen Sinn des Wortes "beweisen" (monstrare), für die der Augenschein maßgeblich war. Der Tote sollte vor Gericht gebracht werden, um die Tat scheinbar zu machen, vergleichbar mit 

gestohlenen Gut, welches man im Gerichtsaal ausstellte. Der Gedanke, dass der Leichnam eines Getöteten und die später abgetrennte Hand das Delikt verkörpere, also das corpus delicti abgeben sollte, findet sich schon in alten Rechtsquellen.


Dieser Sachverhalt hatte nun zur Folge, dass in Fällen, in denen eine Klage nicht sofort erhoben werden konnte, dem Getöteten die rechte Hand abgetrennt und sein Leichnam beerdigt wurde. Zur Aufbewahrung brauchte man nur noch die rechte Hand konservieren.

Da die Vergeltung des Totschlags manchmal misslang, wurde die Hand nicht begraben, sondern in der Kirche aufbewahrt. Dies erklärt zum einen, wie es zu einer derart scharf abgetrennten Hand gekommen ist und zum anderen, warum sie sich in einem solch gut erhaltenem 

Zustand befindet. Ebenso lässt sich festhalten, dass nicht eine Bahrprobe der Grund dafür war, warum die Hand so pfleglich aufbewahrt wurde. Bei der schwarzen Hand von Bödefeld handelt es sich daher nicht um ein legendenhaftes Zeichen, sondern um ein Relikt 

mittelalterlichen Rechtsbrauches: Der Klage mit der toten Hand .


Die Schwarze Hand ist im Turm der Pfarrkirche in Bödefeld ausgestellt.